Preisgestaltung für Kreativschaffende. Kein einfache Sache. Erst recht keine, die man anhand von Vorgabewerten oder ähnlichen Richtlinien abhandeln kann.

Eine Werkstatt für Kraftfahrzeuge hat Verrechnungssätze und oftmals sogar vom Hersteller 100%ige Vorgababewerte was für welche Leistung abzurechnen ist. Im totalen Gegensatz dazu stehen Kreativschaffende: Fotografen, Videographen, Motion Designer, Digital Artists und so weiter. Hier kommt Kreativität und der eigene Stil mit in’s Spiel und diese Elemente kann und sollte man nicht einfach nach irgendwelchen Listen abrechnen.

Das Problem vieler, hochtalentierter Menschen sei es als Fotograf, Designer, Layouter oder Digital Artist ist, dass sie sich davor scheuen, gewisse Preise aufzurufen. Sie stapeln sehr tief und verlangen aus falscher Scham oftmals nahezu wahnwitzig niedrige Preise. Preise die so tief sind, das sie finanziell kaum weiter kommen. Auf der anderen Seite sind es dann aber dennoch bezahlte Jobs, die sie in die Pflicht nehmen: Wenn Kunden bezahlen (und sei es noch so wenig), dann verlangen, nörgeln und quetschen sie solange herum, dass es sehr schnell schon in keiner Relation mehr zum bezahlten Preis steht. Der Verlierer: Der Fotograf, Designer…

Den Nagel auf den Kopf trifft Brené Brown als Sie zu Gast bei Chase Jarvis war:

If you don’t put value on your work no one else will. – Brené Brown @Chase Jarvis LIVE

 

Warum deine Preise hoch sein sollten

Versetzen wir uns einmal in die Lage eines selbstständigen Motion Designer / VFX Artist.

Um hier auf ein anständiges Profi-Level zu kommen, braucht es Jahre. Nicht nur wegen der Technik (Erlernen von Software wie Adobe After Effects etc.) sondern auch wegen dem Gespür und den Erfahrungswerten. Kenntnisse aus den Bereichen der Fotografie, Farbenlehre, Motion Design, Video-Editing usw. sind erforderlich und mussten irgend wann einmal erlernt werden.

Letzteres hat dich als Artist Zeit gekostet, viel Lebenszeit. Aber du hast es getan, weil es dir Spaß macht und du in der Sache aufgehst! Das ist okay so. Was nicht okay ist, ist wenn du nach all der Zeit, den vielen vielen Stunden vor’m Rechner -teils Nächte lang- dann von deinem Kunden Stundensätze aufrufst, die unter dem eines Handwerkers liegen. Dazu besteht absolut keine Notwendigkeit.

Der maßgebliche Punkt, wieso deine Preise hoch sein sollten ist, dass dein Stil und deine Kreativität involviert sind. Bei allen Arbeiten wo das der Fall ist, kannst du nicht einfach sofort loslegen und etwas abarbeiten. In einer Autowerkstatt wissen Sie sofort was zu tun ist, wenn eine Kupplung gewechselt werden soll. Bei einem aufwendigen Video Composing mit Effekten musst du jedoch erst einmal eine grundsätzliche Richtung finden.

Außerdem darfst du den wichtigen Faktor Zeit niemals vergessen: Zeit ist begrenzt für jeden von uns. Wenn du deine Stunden billig „verschenkst“, dann sagt das aus, dass deine Zeit nichts wert ist. Außerdem verknüpfen Kunden oftmals mit günstigen Preisen auch keine hochwertigen Leistungen. Das mag bei dem jeweiligen Job kein Problem darstellen aber hast du schonmal versucht aus einem 500€ Kunden einen 5.000€ Kunden zu machen? Es funktioniert nicht.

Natürlich gibt es Ausnahmen. Die gibt es immer. Aber dann sollen es auch wirklich Ausnahmen bleiben! Entweder arbeitest du zum vollen Preis oder du arbeitest umsonst: Letzteres wenn es ein Gefallen ist oder du dein Portfolio aufbauen möchtest. Zu sehr rabattierten Preisen zu arbeiten macht keinen Sinn, weil der Kunde wohl einer der schwierigsten werden wird und dann hast du daran auch noch einen Hungerlohn mit viel Stress. Es ist es nicht wert!

Das schlimmste sind wirklich „Rabatte“ in der Kreativbranche. Wozu Rabatte? Deine Arbeit und deine zeit ist involviert. Oder schraubst du die Leistung dann auch runter, wenn dem Kunden ein Rabatt gewährt wird? Wenn ein Kunde Rabatte will, dann ist er vielleicht nicht der richtige Kunde für dich. Versuche es mal von der Seite zu betrachten. Denn Wenn du oft für viele Kunden arbeitest, die viele Rabatte wollen, dann bist du dort angelangt: „Selbst und ständig“ – Vielleicht schonmal gehört? Das passiert, wenn man viel arbeitet für nichts und wieder nichts. Da macht’s auch die Menge nicht mehr.

Also lasse deine Preise angemessen hoch. Wenn ein Kunde dies nicht versteht, sagst du freundlich aber bestimmt, dass du den Job gerne gemacht hättest aber das ist dein Preis und darunter kannst du es nicht machen. Das zeugt von Qualität und Seriosität. Denn man kann nicht jeden Job annehmen.

 

Die unsichtbaren Stunden

Zwei Sachen sieht dein Kunde nicht: 1. Deine  über Jahre aufgebaute Expertise und Kreativität mit den unzähligen Stunden des üben, probieren und experimentieren. 2. Die Findungsphase vor einem Projekt: Wie bereits angesprochen legst du ja nicht direkt los mit einem Werbespot sondern du musst zuvor ein Konzept erarbeiten, Ideen ausprobieren, skizzieren, du musst den „Weg finden“ – das vergessen Kunden oftmals.

Ganz gleich also ob du ein Einzelkämpfer bist oder vielleicht sogar eine (kleine) Agentur hast: Diese elementaren Arbeitsschritte sieht der Kunde nicht in seiner Gänze aber dass bedeutet ja nicht, dass sie nicht vergütet werden dürfen. Im Gegenteil, hier ist es , wo ein Groß der Kreativarbeit involviert ist und das ist Arbeit die bezahlt gehört.

 

Wie geht es dir in deiner Preisfindung als Fotograf, Editor, Videograph o.ä.? Gibt es eine Regel an welche du dich hältst? Was empfiehlst  du Kollegen aus der Branche im Umgang mit Kunden und Preisgestaltung sowie Rabatten? Schreibt gerne in die Kommentare…