Was sind ND-Filter?

ND Filter also Neutral-Density Filter oder zu deutsch Neutralfilter bzw. Graufilter sind im Grund genommen Glas- oder Kunststoffscheiben die wie eine Sonnenbrille das Bild abdunkeln.

Durch ihre neutralgraue Einfärbung verfälschen Sie die Farbwiedergabe nicht, zumindest in den meisten Fällen aber dazu später noch mehr.

Man kann sagen, ein ND-Filter ist die Sonnenbrille für die Kamera.

Wozu benötigt man ND-Filter beim fotografieren?

Wenn wir sagen ein ND-Filter ist also wie eine Sonnenbrille für die Kamera, dann gibt es einen ganz bestimmtes Szenario für den Einsatz von ND-Filtern in der Fotografie!

LANGZEITBELICHTUNGEN!

Wenn du ein Foto mit einer langen Belichtung machen möchtest um z.B. Wasser oder Wolken „glatt zu ziehen“, dann wird die lange Belichtungszeit dein Bild schnell überbelichten lassen.

Nun könntet ihr natürlich die Blende schließen um somit weniger Licht auf den Sensor fallen zu lassen und bis zu einem gewissen Blendenwert ist das auch völlig okay und du vergrößerst damit außerdem den Schärfentiefe-Bereich.

Doch ab einer gewissen Blende nimmt auch die Abbildungsleistung eines jeden Objektives ab – Je nach Anspruch ist dies zwar zu vernachlässigen aber dennoch kann irgendwann auch die Blende nicht weiter geschlossen werden um ein korrekt belichtetest Bild zu erhalten –

GENAU HIER kommt der ND Filter zum Einsatz! Sonnenbrille auf und die Belichtungszeit kann je nach eingesetztem Filter schön lange eingestellt werden ohne, dass das Bild überbelichtet wird!

Ein Tipp: Lange Belichtungszeiten sind nicht nur zum Glattziehen von Wasser, Nebel oder Wolken geeignet sondern auch um Orte mit vielen Menschen einfach Menschen leer erscheinen zu lassen. Denn durch die lange Belichtungszeit welche uns der ND-Filter auch am Tag ermöglicht, verschwinden Elemente welche sich durch das Bild bewegen wie magisch vom finalen Bild!

Wozu benötigt man ND-Filter beim filmen?

Na, könnt ihr euch denken in welcher Situation man den ND-Filter beim Filmen benötigt?

Der Look welcher entsteht, wenn mit einer Offenen blende entsteht, ist allseits beliebt: Ein Hauptmotiv ist im Fokus und dort schön scharf abgebildet währenddessen ist der Hintergrund unscharf und es entsteht ein Bokeh. Letzteres sieht vor allem bei Lichtern im Hintergrund richtig cool aus.

Jetzt haben wir beim Filmen folgendes Problem:

Um eine realistische Bewegungsunschärfe im Video zu erhalten hält man sich bei der Verschlusszeit an die „180 Grad Regel“. Das bedeutet man stellt als Verschlusszeit (Shutter) das doppelte der gewählten Framerate ein. Damit fällt die Verschlusszeit also schonmal weg um damit die Bildhelligkeit bei offener Blende zu reduzieren. Auch den Iso-Wert können wir nicht benutzen um die Helligkeit herabzusetzen, wenn der Iso schon auf dem niedrigsten Wert ist.

Was können wir machen? Richtig, Sonnenbrille auf – denn dann kann auch die Blende schön offen bleiben und wie erhalten uns den kleinen Schärfebereich und verhindern, dass das ganze Bild von von Vorder- bis Hintergrund scharf wird. Auch das Bokeh behalten wir so.

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Da die Arbeit mit ND-Filtern nicht so flexibel ist wie das filmen ohne solche Filter, eignen sie sich für Run& Gun Aktionen nur bedingt. Camcorder oder größere Kameras haben oftmals schon ND-Filter integriert. Und selbst manche DSLM haben einen ND-Filter integriert. Die Firma Aputure bietet übrigens einen variablen ND-Filter zum nachrüsten für DSLM Kameras wie die Panasonic Lumix GH4 und GH5 an.

Welche ND-Filter gibt es?

ND-Filter bekommt ihr in runder Ausführung mit Gewinde in passender Größe für euer Objektiv und eckig bzw. quadratisch – dann in Verbindung mit Filterhaltern welche auf dem Objektiv montiert werden und dann einen schnellen Wechsel von Filtern erlauben.

Kommen wir zu den Stärken der Filter: Unterschiedliche Ausführungen lassen unterschiedlich viel Licht hindurch: Ein 2-Fach ND mit einer Neutraldichte von 0,3 schluckt eine Blendenstufe Licht. Ein ND 64 hingegen schluckt sogar schon 6 ganze Blendenstufen Licht. Eine gute Tabelle mit dieser Übersicht findet ihr auf unserer Seite – den Link findet ihr in der Videobeschreibung.

 

Neben Filtern die von ihrer Dichte her fix sind gibt es auch variable ND-Filter welche man auch Vari ND-Filter oder variable ND-Filter nennt. Zu diesen muss man sagen, dass gerade bei den billigen Angeboten oftmals eine Vignettierung bzw. sichtbare Kreuzbildung im Bild stattfindet, da es im Grunde genommen zwei aufeinander liegende Polfilter sind, welche man gegeneinander verdreht um die Stärke einzustellen. Wenn ihr gute Vari- ND-Filter kennt, welche kein Kreuz im Video verursachen, schreibt es doch gerne in die Kommentare.

Eine gute Marke mit ordentlichem Preis-Leistungs-Verhältniss wäre Haida. Preislich darüber sind Tiffen sowie B&W zu empfehlen. Ihr müsst bedenken, dass man zwar beim fotografieren in der Postproduktion Farbstiche in der RAW Bearbeitung noch gut rausbekommt, bei VIDEOS kann das aber schon ganz anders aussehen. Bedenkt einfach: Einen guten Filter kauft ihr ein Mal und habt ihn dann viele Jahre. Also scheut nicht davor zurück, in Qualität zu investieren.

Tipps für ND-Filter

Zum Schluss jetzt noch wie versprochen ein paar Tipps im Zusammenhang mit ND-Filtern.

Auf dem Markt sind auch Grauverlaufsfilter erhältlich, deren Grauer Bereich nicht den vollen Filter umfasst sondern nur etwa die Hälfte. Mit diesen Filtern kann z.B. der Himmel abgedunkelt werden, währenddessen der untere Teil des Bildes nicht abgedunkelt wird.

Wer häufig Filter wechselt, egal ob zum fotografieren oder zum filmen, der wird schnell davon genervt sein, permanent Filter auf- und abzudrehen vom Objektiv. Dafür bietet Manfrotto ein Magnetsystem namens XUME an welches aus Objektivadapter und Filterhalter besteht: An euer Objektiv schließt ihr den Objektivadapter an und an jedem Filter montiert ihr einen Adapter.

Wenn ihr unterschiedliche Filtergewinde an euren Objektiven habt, könnt ihr diese mit Step Down Ringen auf eine einheitliche Größe adaptieren. Dies kann zwar neue Objektivdeckel erforderlich machen aber wenn ihr die Umstellung einmal durch habt, spart ihr immer und immer wieder Zeit.

Achtet beim Filterkauf darauf, einen möglichst großen zu nehmen und zwar die Größe, die euer größtes Objektiv hat. Mit Hilfe der eben genannten Stepdown Ringe könnt ihr nur alles nach oben hin kompatibel zueinander machen. Ihr könnt jedoch nicht einen zu kleinen Filter auf ein größeres Objektiv schnallen.

Im Zusammenhang mit der Vereinheitlichung von Filtergrößen hat es sich übrigens der in Kanada lebende DOP Ron Sim mit seiner Firma SIM-MOD-LENS u.a. darauf spezialisiert, normale Objektive und CINE Objektive auf eine einheitliche Filtergewinde Größe zu bringen. Die Jungs machen dort noch mehr Sachen wie z.B. Fotoobjektive auf Tine-Objektive umbauen mit rasterlosen Blenden usw. aber das ist ein anderes Thema und dazu könnt ihr auch unser Interview mit Ron Sim CSC lesen.