Wenn wir von Kontrasten sprechen, dann ist es nicht immer unbedingt ganz einfach, das ganze in Form von Verläufen zu betrachten welche von einer zur anderen Richtung hin abnehmen wie z.B. ein mit dem Verlaufswerkzeug gezogener Verlauf von Schwarz zu weiß. Denn es gibt auch Formen von Kontrast, die wir entweder benutzen (an) oder nicht benutzen (aus) können.

Auch solltet ihr bedenken, dass verschiedene Kontraste nicht zwingend innerhalb eines Fotos oder einer Sequenz vorkommen müssen: Es können auch aufeinander folgende bzw. sogar zeitlich weiter auseinander liegende Szenen sein, welche den Kontrast zueinander herstellen! (In einer Szene am Anfang eines Films kann der Bildlook düster sein und zu einem späteren Zeitpunkt kann der Bildlook freundlich und warm sein um eine positive Entwicklung zu repräsentieren.)

 

 

Kontrast in der Belichtung

Wenn wir an Kontrast denken, fällt uns wohl als erstes absolutes weiß und schwarz ein: Also das maximal hellste sowie dunkelste was z.B. ein Bildschirm darstellen kann. zwischen absoluten schwarz und absoluten weiß liegt 50% grau. Korrigiert man weiß oder schwarz durch Erhöhung bzw. Senkung der Belichtung, so treffen sich beide irgendwann und alles ist 50% grau.

Die beliebteste Form von Kontrastanpassung ist wohl die Gradationskurve: Durch absenken der dunkleren Bildbereiche und Anhebung der helleren Bildbereiche, verstärkt man den Kontrast im Bild.

Eine gängige Vorgehensweite um ein Objekt oder eine Person vom Hintergrund abzuheben ist es, den Hintergrund dunkler zu halten wie das eigentliche Objekt. Dies kann simpel und einfach dadurch erreicht werden, dass wir unsere Belichtung für den Hintergrund so einstellen, dass dieser dunkel ist und dann wird das Objekt oder die Person wieder aufgehellt durch Lichtquellen wie Blitze oder Leuchten (je nachdem ob ihr fotografiert oder filmt) – Natürlich ist auch Dauerlicht beim fotografieren möglich – umgedreht wird es aber schwer 😉

Diese Art mit Kontrast zu Arbeiten ist gängig und beruht darauf, dass das Auge des Betrachters immer zum hellsten Punkt geht aber auch hier gilt, dass dies nicht immer zutrifft weil auch der umgekehrte Zustand gültig sein kann, sofern fast alles im Bild hell ist und nur ein kleiner Bereich dunkel. Es kann also auch umgekehrt funktionieren.

 

Kontrast durch Farbe

Auch diese Form von Kontrast ist weitläufig bekannt und sehr effektiv:
Unterschiedliche Farben können dafür benutzt werden um einen Kontrast zu erzeugen oder Objekte im Bild hervorzuheben. Beliebt ist dabei die gleichzeitige Verwendung von Komplementärfarben – Komplementärfarben, das sind die Farben die sich im Farbkreis gegenüberliegen. Eine beliebte Nutzung solcher Farben findet sich in vielen Filmen in Form des „Orange and Teal Looks“ – also durch die Verwendung von Orangetönen z.B. für die Lichter und bläulichen Farben für die Schatten.

Wenn euer Bild oder Video sehr unruhig ist und ihr durch Farben Kontraste schaffen wollt, dann kann es manchmal auch interessant sein, wenn ihr euer gesamtes Bild relativ stark entsättigt und dann z.B. nur zwei Farben (am besten noch Komplementärfarben) übrig lasst. Interessanter wird dies dann noch, wenn sich die Objekte welche dann diese zwei Farben tragen noch weiter voneinander unterscheiden also durch ihre Beschaffenheit noch weiteren Kontrast in das Bild bringen aber das wäre schon ein weiterer Punkt, dazu kommen wir gleich noch!

 

Kontrast durch Sättigung

Wenn ihr unterschiedliche Stufen von Sättigung innerhalb einer Szene oder eines Bildes einsetzt, könnt ihr äußerst effektive Kontraste setzen um z.B. eure Story voranzutreiben und bestimmten Bereichen eine ganz andere Aussage zu verleihen:

Das kann eine Szene sein, in der ein niedergeschlagener Sportler in einem Gang auf der Bank sitzt und durch die offene Tür kommt von draußen vom Sportplatz Licht herein: Dabei ist der Innenraum des Gebäudes schwach gesättigt um die farblose und hoffnungslose Stimmung zu unterstreichen und draußen ist es warm und gesättigt.

Wenn der Sportler sich dann entschlossen aufmacht und nach draußen geht, kann dies sogar eine Ankündigung zum besseren hin bedeuten: Er kommt raus aus seiner Verzweiflung und packt das Ding noch einmal an! Er geht quasi in den gesättigten Bereich des Bildes hinein. Das vermittelt Aufbruchstimmung, Energie und Hoffnung!

Unterschiedliche Sättigungsbereiche in Fotos und Videos könnt ihr durch Einstellungsebenen mit Masken erreichen. Bei Videos kann es dann natürlich nötig sein, dass ihr Masken animiert – entweder händisch oder durch Tracking.

 

Kontrast durch Texturen

Objekte oder Bildbereiche lassen sich durch verschiedene Texturen mit zusätzlichem Kontrast ausstatten:
Stellt euch Ein Foto einer Brücke aus Holz oder Stein vor: Die Textur ist rauh und sehr strukturiert. Wenn ihr das Foto als Langzeitbelichtung aufgenommen habt, ist das Wasser schön glatt und fast strukturlos. Ihr habt also einen zusätzlichen Kontrast im Bild!

Noch ein Beispiel: Ihr macht ein Foto oder Video von einem Produkt: Ist das Produkt relativ glatt und clean, könnt ihr einen Unter- oder Hintergrund mit Struktur nehmen wie Holz oder zerkratztes Metall. Ihr schafft somit weiteren Kontrast. Zusätzlich könnt ihr wie bereits am Anfang dieses Videos angesprochen weiteren Kontrast durch unterschiedliche Belichtung, Sättigung und Farbe in das Bild bringen.

 

Kontrast durch Geschwindigkeit

Kontrast durch unterschiedliche Geschwindigkeiten… Ein wirklich sehr interessanter Punkt!
Aber wie kann das in Fotos oder Videos realisiert werden?

In Fotos können sich schnell bewegende Objekte durch lange Verschlusszeiten unscharf dargestellt werden, während euer Hauptmotiv still steht und somit im Fokus ist -> scharf und deutlich abgehoben von seiner Umgebung!

Es können aber auch einfach Objekte sein, die man mit Geschwindigkeit assoziiert: Ein Kleinwagen neben einem Supersportwagen vermittelt dem Betrachter auch indirekt zwei Vorstellungen von Geschwindigkeit!

In Videos gilt selbiges aber mann kann noch mehr machen:

Stellt euch ein Composing aus einem Timelapse Video und einer normalen Aufnahme vor: Während sich um einen Hauptakteur alles in einer Stadt inklusive dem Himmel (oder auch nur dem Himmel) wahsinnig schnell abspielt, bewegt er sich in normaler Geschwindigkeit.

Dieser Kontrast kann z.B. aussagen, dass der Akteur entweder nicht mehr mitkommt in bestimmten Bereichen seines Lebens oder aber er plötzlich den völligen Durchblick hat, wenn ihr das ganze etwas verändert gestaltet: Wenn also der Hauptakteur sich normal bewegt und die Umgebung plötzlich in Slo-Motion abgespielt wird.

Das ganze erfordert in der Postproduktion natürlich etwas Aufwand, evtl. Greenscreen oder Rotoscoping aber ist natürlich auch eine sehr effektive und auffällige Form von Kontrast, welche eure Aussage garantiert transportiert und unterstreicht!

Kontrast durch Aggregatzustände

Ob etwas fest, flüssig oder gasförmig ist, kann einen echten Kontrast erzeugen!

So wäre z.B. etwas Öl, welches auf den Krümmer eines Motors tropft in der nächsten Szene oder im nächsten Moment Gasförmig, da es ja durch die Hitze des Krümmers einfach verdampft. Auch kann Nebel oder Qualm als Hintergrund für ein festes Objekt ein guter Kontrast sein.

Alleine durch die Nutzung von Elementen die fest, flüssig und gasförmig sind, kann beispielsweise eine Szene bzw. Sequenz mit einem Auto einen enormen Kontrast erlangen: Ihr zeigt Close-Ups also Naheinstellungen von Schaltknauf (fest), Benzin oder Öl welches irgendwo hin eingegossen wird (flüssig) und dem Qualm aus dem Auspuff (gasförmig). Wenn ihr eine Montage macht also ein Foto oder ein Video wo diese Sachen sogar gleichzeitig zu sehen sind, habt ihr dadurch eine Menge Kontrast im Bild.

 

Kontrast durch Emotionen

Diese Form von Kontrast sollte leicht verständlich sein: Stellt euch zwei Menschen in einem Foto bzw. einer Einstellung vor von denen der eine heult und der andere lacht -> Das wäre dann zugegebener Maßen ein harter Kontrast!

Aber erinnert ihr euch daran, was zu Anfang des Videos gesagt wurde?

Zum einen muss dieser Kontrast nicht innerhalb eines Bildes zu sehen sein, sondern er kann beim Film auch zeitlich versetzt stattfinden:

Am Anfang ist der Sportler betrübt und niedergeschlagen, später nachdem er die Kraft gefunden hat einen letzten Versuch anzugehen und er dann schließlich die Goldmedaille gewonnen hat, kann er vor Freude völlig außer sich sein.

Und wenn wir uns wieder an die anderen Form von Kontrast zurückerinnern, können wir diese ebenfalls mit einbauen um den Gesamtkontrast weiter zu erhöhen: Die traurigen Szenen sind dunkel, entsättigt und haben einen Blaustich, während die fröhlichen Szenen heller sind, mit mehr Sättigung und einem wärmeren Orangestich im Bild.

Denkt auch daran, das Farben immer auch Emotionen transportieren:

  • Violett wird oft mit „Luxus“, Kraft und Kreativität assoziiert.
  • Blau steht für Verlässlichkeit, Seriösität, Loyalität und Vertrauen
  • Grüntöne stehen für Fruchtbarkeit, Harmonie, Wachstum und Frische – auch kann Grün mit Geld in Verbindung gebracht werden.
  • Gelbtöne symbolisieren Freude, Glück und Energie
  • Orangetöne stehen ebenfalls für Freude aber auch Enthusiasmus, Erfolg und tropische Szenerien
  • Rottöne vermitteln natürlich Feuer, Wut und Hass aber auch Liebe und Hingabe – je nach Situation

 

Kontrast durch Alter

Auch diese Form des Kontrastes muss nicht innerhalb eines Fotos oder einer Szene gleichzeitig vorkommen, KANN ES ABER…

Zwei ähnliche Objekte sagen wir zwei paar Laufschuhe selben Typs in einem Bild; Das eine paar ist gebraucht, hat 2.000km auf dem Buckel besser gesagt auf der Sohle und das andere ist brandneu! Ein Kontrast durch Alter und in Folge dessen durch Abnutzung.

Natürlich können wir auch unterschiedlich alte Menschen als Kontrastmittel benutzen und auch diese Form von Kontrast wieder mit den anderen Formen von Kontrast mischen. Immer je nachdem was eure Message ist und ihr ausdrücken und transportieren wollt.

 

Kontrast durch Linien

Gerade oder gebogene Linien, dass ist eine Form von Kontrast, die gerade in der Architektur häufig Anwendung findet. Aber ihr könnt es auch in anderem Rahmen anwenden:

Stellt euch eine eckige Schale auf einem runden Tisch vor
oder aber bei einer Frau einmal eine mehr maskuline Pose und ein anderes mal eine Pose welche mehr die femininen Rundungen betont… Ihr schafft Kontrast durch unterschiedliche Linien!

 

Kontrast durch Lichtquellen

Hierzu muss man zunächst verstehen, dass je größer eine Lichtquelle ist und desto näher Sie sich an einem Objekt befindet, desto weicher der Schatten wird. Umgedreht: Je kleiner eine Lichtquelle ist und je weiter weg sie von einem Objekt ist, desto härter wird der Schatten, welcher vom Objekt geworfen wird.

Die Sonne wäre so gesehen ein super weiches Licht für sich betrachtet. Da sie aber so enorm weit weg ist, wird sie zu einer harten Lichtquelle. Anders sieht es natürlich aus, wenn Wolken als Diffusor dienen.

Jetzt könnt ihr unterschiedliche Lichtquellen benutzen, um verschiedene Formen oder sagen wir mal Abstufungen von Kontrast im Bild zu erzeugen:

Stellt euch zwei Objekte im Bild vor, eines weiter vorne, eines weiter hinten: Auf das vordere wirkt eine Harte Lichtquelle und auf das hintere eine Weiche Lichtquelle… Das Resultat ist ein harter, dunkler Schatten bei dem vorderen Objekt und ein weicherer, hellerer Schatten bei dem hinteren Objekt.

 

Kontrast durch Größe

Alleine diese Form von Kontrast kann man in unzähligen Szenarien einsetzen:

In natura unterschiedlich große Objekte oder Personen können einen Kontrast ergeben.

Aber auch durch Brennweiten komprimierte oder gestreckte Perspektiven können Dinge unterschiedlich groß erscheinen lassen und somit einen Kontrast in der Größe erzeugen bzw. weiter verstärken, wenn dieser sowieso schon vorhanden ist!

Kontrast durch Ursprung

Diese Form von Kontrast mag euch zunächst merkwürdig erscheinen, ist aber ganz natürlich:
Wenn Dinge künstlichen Ursprungs oder organischen Ursprungs sind, dann ist dies natürlich ein Kontrast.

Eine andere Form von Ursprung kann das Ursprungsland oder Herkunftsland sein:
Wenn in Städten, wie z.B. New York welche als Schmelztiegel bekannt sind Menschen aus verschiedenen Herkunftsländen wohnen, dann stellt dies einen Kontrast dar.

Ihr seht also, das Thema Kontrast ist für sich alleine ein riesen großes Feld und bietet euch so enorm viele Möglichkeiten um eure Fotos und Videos noch interessanter zu machen…… Von daher wünsche ich euch jetzt viel Spaß bei der Planung und natürlich auch der Anwendung von verschiedenen Formen von Kontrast in euren Projekten!

Wenn ihr noch weitere Vorschläge für Arten von Kontrast habt, schreibt es gerne hier auf der Seite oder auf YouTube in die Kommentare und… über einen Like und ein Abo des Muenter Media – YouTube-Kanals freuen wir uns sehr – somit bleibt ihr auch immer informiert, wenn es etwas neues zum Thema Foto, Video und Postproduktion auf unserem Kanal gibt!